//„Mehr als 300000 Teilnehmer auf der gesamten Welt“

„Mehr als 300000 Teilnehmer auf der gesamten Welt“

Auf der gesamten Welt veranstaltet parkrun wöchentlich Läufe über 5 Kilometer. Das Besondere: Sie sind offen für jeden. Unabhängig von Leistungsstand oder Alter. 2004 in England gegründet, hat der Trend im Jahr 2017 schließlich auch in Deutschland Fuß gefasst. Ingo Dansberg (44), Trainer bei der Tageblatt-Aktion Lauf geht’s, und Mitstreiter Jens Krippahl (35) haben nun den Göttinger Ableger der Initiative ins Leben gerufen.

 

Tageblatt: Nach elf Testläufen in den vergangenen Wochen veranstalten Sie am kommenden Sonnabend, 18. Mai, am Kiessee den ersten offiziellen parkrunin Göttingen. Der Startschuss fällt um 9 Uhr. Was kennzeichnet einen parkrunund wie verbreitet ist diese Form des Laufes?

Krippahlparkrun ist im Grundsatz ein Lauf über 5 Kilometer, der jeden Sonnabend um 9 Uhr am gleichen Ort stattfindet und lokal von Freiwilligen organisiert wird. Gleichzeitig hat parkrunaber einen globalen Mantel, da es die Läufe in mehr als 1700 Orten in 21 Ländern mit mehr als 300000 Teilnehmern auf der gesamten Welt gibt.

Dansberg: Es ist vor allem ein Lauf, der nicht als Ziel hat, besonders schnell zu sein. Das Gemeinschaftliche soll im Vordergrund stehen.

 

Tageblatt: Vor diesem Hintergrund: Welche Leute sollen durch parkrun angesprochen werden?

Krippahl: Es werden weniger Profisportler angesprochen, sondern vor allem Hobbysportler, Nichtsportler oder Problemgruppen, Leute mit Bluthochdruck oder Übergewicht. Letztendlich soll jeder in seinem eigenen Tempo mitmachen können.

Dansberg: Der Rahmen erlaubt, dass sowohl Walker als auch Tempoläufer, die am Sonnabendmorgen sehr schnell laufen möchten, dabei sein können. Mit dem Kiessee, um den zwei Runden gelaufen werden, haben wir eine Strecke gefunden, wo sich das sehr gut umsetzen lässt. Zudem werden alle angesprochen, die sich kurzfristig entscheiden wollen. Zehn Minuten vor dem Start kann ich spontan sagen: Okay, ich laufe mit.

 

Tageblatt: Die Teilnahme an einem parkrun ist kostenlos. Dennoch sind die Rahmenbedingungen wie bei anderen Läufen auch. Es gibt eine Zeitmessung und Streckenposten. Wie und von wem wird das Event organisiert?

Dansberg: Durch Ehrenamtler. Wir brauchen sechs bis zehn Helfer. parkrun fördert bewusst ehrenamtliches Engagement. Man darf keine lokalen Sponsoren anwerben, da es dadurch womöglich einen kommerziellen Touch bekommen würde. Somit basiert parkrun, um das einmal zusammenzufassen, auf drei Komponenten: Leute sollen in Bewegung gebracht, ehrenamtliches Engagement gefördert und soziale Verbindungen gestärkt werden.

Krippahl: Wir erfahren zudem Unterstützung durch die Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF), die uns geholfen hat, die Genehmigung für den Lauf zu bekommen. Auch der Stadtsportbund greift uns unter die Arme. Dafür sind wir sehr dankbar.

 

Tageblatt: Was ist in Ihren Augen das Besondere an parkrun, auch in Abgrenzung zu anderen Läufen?

Krippahl: Die Teilnahme ist kostenlos und mit keinen Hürden verbunden. Der Lauf findet jeden Sonnabend um 9 Uhr statt, es ist kein Wettbewerb, der soziale Aspekt steht im Vordergrund. Kinder sind auch herzlich willkommen, wenn sie nicht mitlaufen, ist am Start-Zielbereich ein Spielplatz.

 

Tageblatt: Welche Ziele haben Sie sich für den parkrun-Standort Göttingen gesetzt?

Dansberg: Der parkrun soll jeden Sonnabend stattfinden – auch im Winter. Wenn das klappt, wäre das großartig. Und natürlich wollen wir noch mehr Läufer und Helfer dazugewinnen. Ich glaube, dass die Aktion über Mund-zu-Mund-Propaganda schnell bekannter wird.

Krippahl: Wir wollen ansonsten natürlich erst mal erreichen, dass wirklich jeder mitmachen kann. Wie es dann angenommen wird, hängt von den Teilnehmern ab. Wir werden auf jeden Fall noch ordentlich Werbung machen.

Interview:  Filip Donth

2019-05-14T12:05:11+00:00