//Der erste Muskelkater

Der erste Muskelkater

War ja klar, dass es ohne Muskelkater nicht abgehen wird. Doch dass es mir nach der ersten Einheit gleich so mächtig in den Beinen beißt, damit habe ich nicht gerechnet. Tag eins nach meinem ersten Lauf habe ich dementsprechend längere Zeit in unserer maximal mit heißem Wasser und Entspannungsbadesalzen befüllten Badewanne verbracht. Hier halte ich es ganz einfach mit der Alltagsweisheit: Viel hilft viel.

Das dachte zu meinen Schulzeiten wohl auch mal ein Interims-A-Jugendtrainer. Er ist für den fürchterlichsten Beinmuskelkater verantwortlich, den ich je hatte. Dieser steht jedoch in seiner Heftigkeit in keinem Verhältnis zu dem leichten Ziepen, das mich nun quält. Damals hielt dieser Möchtegern-Quälix-Magath Entenlauf-Übungen anscheinend für bahnbrechend moderne Talentförderung. Das damalige Sprintwatscheln auf Grasnarbenhöhe führte dann dazu, dass ich Treppen nur rückwärts hinunterlaufen konnte. In unserer Schule mit ihren zahlreichen Stiegen erntete ich drei Tage lang mitleidige Blicke. Mein Ruf als Sport-Ass war mächtig ramponiert. Erstaunlicherweise blieben die Erfolge unseres Fußballteams aus. Keine sechs Wochen später durfte der Entenlauf-Enthusiast nicht mehr auf unsere Sportanlage watscheln. Ebenfalls nicht erstaunlich: Auch seine Torschuss-Übungen nach dreimaligem Purzelbaum hat in der Folge keiner meiner Mitspieler vermisst.

Es stellt sich mir allerdings eine Frage: Den Auftaktlauf kann ich zweifellos als Ursache für meine zwickende Beinmuskulatur ausmachen, die offensichtlich über Nacht um einen Zentimeter kürzer geworden ist und Dehnungsschmerzen verursacht. Doch wo kommt der Ganzkörper-Muskelkater her? Oder das Ziepen zwischen meinen Rippen und meinen Schulterblättern? War der Lauf verantwortlich oder der vielleicht ähnlich ungewohnte Standardtanz am Wochenende?

Wie die Antwort auch ausfallen mag, eines ist klar: Es gilt, weiter an mir zu arbeiten, das darf kein Dauer-Zustand bleiben. Also, lauf geht’s. Weiter, immer weiter – würde Bayerns Torwart-Titan Oliver Kahn wohl sagen. Okay, der scheint allerdings nach Sichtung der letzten ZDF-Bilder auch nicht mehr in der Form seines Lebens zu sein.

Mark Bambey ist 44 Jahre alt und Gelegenheitsläufer. Er kümmert sich als Ressortleiter um die Regionale Wirtschaft. Sie erreichen den Autor unter m.bambey@goettinger-tageblatt.de.

2018-02-14T09:30:22+00:00