//Aschermittwoch-Kater nicht einfach weglaufen

Aschermittwoch-Kater nicht einfach weglaufen

Laufen ist gesund: Warum es allerdings keine gute Idee ist, zum Beispiel einen ausgewachsenen Aschermittwoch-Kater mit einer Laufeinheit auszukurieren, erklärt Professor Johannes Dahm. Der Göttinger Kardiologe betont, dass das sogar gefährlich werden kann.

Alkohol habe nicht nur einen sehr hohen Brennwert, er verhindere auch die Fettverbrennung im Körper. Gerade die für den Läufer wichtigen Glykogenspeicher, die Kohlenhydrat-Reserve, aus der unser Körper beim längeren Laufen Energie gewinnt, könne nach zu viel Alkoholkonsum nicht mehr richtig genutzt werden, berichtet Dahm, der als Sportmediziner auch Leistungsdiagnosen für Athleten erstellt. Die Leistung beim Sport ließe deswegen nach, und der Trainingseffekt bleibe aus. „Ziel beim Laufen ist, dass ich etwas aus mir raushole. Das heißt, ich muss in den GA2-Trainingsbereich“, sagt Dahm. So nennen Ausdauersportler den Bereich, in dem das Herz des Läufers 80 Prozent der Schläge erbringt, die der Athlet bei größtmöglicher körperlicher Anstrengung erreichen kann. Der Trainingseffekt sei hier hoch, denn die Muskeln bräuchten so viel Energie, dass diese nun auch ohne Sauerstoff gewonnen werden müsse: „Der Muskel wird anaerob“, sagt Dahm.

Er rät Läufern, 16 bis 24 Stunden vor dem Training auf Alkohol zu verzichten, damit sie in diesen Leistungsbereich kommen und vom Training profitieren. 180-mal in der Minute könne das Herz eines 25-Jährigen in diesem Trainingsbereich schlagen. Wer übermäßig viel getrunken hat, könne dem Körper mit intensivem Training schaden. Der Arzt schildert den Fall eines 26-jährigen Fußballers, der sich wegen Liebeskummer betrank und beim Fußballspielen am nächsten Tag an einem Herzinfarkt starb.

Dahm verdeutlicht, dass Alkohol ab einer Menge von anderthalb Flaschen Bier den Blutdruck erhöht. Dieser werde beim Sport ohnehin schon in die Höhe getrieben. Hinzu käme, dass er eine „diuretische“ also eine ausschwemmende Wirkung habe. Menschen verlören durch das Trinken von Alkohol oft mehr Flüssigkeit, als sie aufnehmen, was auch eine Ursache für den Kopfschmerz beim Kater sei. Das Blut werde dann zähflüssiger, weil es weniger Wasser aber noch gleich viel rote Blutkörperchen habe, die den Sauerstoff von der Lunge zu den anderen Organen transportieren. Das Blut sei dann „wie eine Linsensuppe, die immer dicker wird“, verdeutlicht Dahm.

Wenn beim Laufen das Blut unter hohem Druck durch die Adern gepresst werde, könnten Ablagerungen an den Innenwänden der Adern losreißen und diese als Gerinnsel verstopfen: Ein Herzinfarkt sei möglich. Der 26-Jährige hätte aber auch ein Risikoprofil gehabt. Wer wie viel Sport im verkaterten Zustand verträgt, sei von Sportler zu Sportler verschieden. Dahm rät vor allem Wiedereinsteigern, die nach langjähriger Pause wieder ins Training einsteigen wollen und älter als 40 Jahre sind sowie Rauchern, ihr Risikoprofil vom Sportkardiologen checken zu lassen.

2018-02-14T09:31:50+00:00